Archive | Februar 2016

Afghanistan: ein „sicheres Herkunftsland“?

medico-Newsletter, Februar 2016

Um die Zahl der Flüchtlinge zu reduzieren, wollen einige deutsche Politiker_innen Afghanistan zum „sicheren Herkunftsland“ erklären. Das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft lassen in Kabul Plakate verkleben, die ausreisewillige Afghan_innen zum Verbleib im Land auffordern. Die Kampagne beruft sich einerseits auf die deutschen Leistung für Frieden und Wiederaufbau und arbeitet andererseits offen mit Furcht: „Denken Sie nach, ob Sie Hab und Gut verkaufen wollen, um kriminelle Schleuser zu bezahlen und Ihr Leben auf der Flucht zu riskieren.“
Ist Afghanistan ein „sicheres Herkunftsland“? Sind die Afghan_innen verpflichtet, dankbar im Land zu bleiben? Ein Interview.

„Ein Jahr nach der Übergabe der Sicherheitsverantwortung von der International Security Assistance Force (ISAF) zu den Afghan National Security Forces (ANSF) ist die Lage sogar in den einstmals sicheren Gebieten des Nordens einschließlich von Kunduz außer Kontrolle. Nach Angaben der UN starben allein 2014 über 1000 Zivilistinnen und Zivilisten. (…) Tausende wurden ihres Obdachs und ihres Besitzes beraubt und in die Nachbarprovinzen oder nach Kabul vertrieben.“ (Hadi Marifat)

Der afghanische Menschenrechtsaktivist Hadi Marifat war 2009 einer der Mitbegründer der Afghanistan Human Rights and Democracy Organization (AHRDO), einer Nicht-Regierungs-Organisation, die sich mit künstlerischen und kulturellen Mitteln für einen umfassenden Demokratisierungsprozess in Afghanistan einsetzt. Er war zuvor u.a. für das Centre for Civilians in Conflict und für Human Rights Watch tätig, war Menschenrechtsbeauftragter der United Nations Assistance Mission in Afghanistan und einer der Koordinatoren der Unabhängigen Wahlkommission des Landes.

Der deutsch-bolivianische Drehbuchautor, Theatermacher und Regisseur Hjalmar Jorge Joffre-Eichhorn hat in mehr als 20 Ländern mit Gemeinden in Konflikt- und Bürgerkriegssituationen gearbeitet. Auf der gemeinsamen Suche nach einem grassroots-Dialog und nach Möglichkeiten einer Konfliktlösung von unten nutzt er verschiedene Formen eines interaktiven und partizipatorischen Theaters. Er ist ebenfalls Mitbegründer von AHRDO und hat ein Buch über seine afghanischen Theatererfahrungen veröffentlicht: Wenn die Burka plötzlich fliegt. Einblicke in die Arbeit mit dem Theater der Unterdrückten in Afghanistan. Stuttgart 2013.

Das Interview mit den beiden medico-Partnern findet sich hier.

stop deportations vienna

stop-deportation_sw
https://stopdeportationsvienna.noblogs.org/

***

Wir sind eine Gruppe von Aktivist*innen aus verschiedenen antirassistischen Zusammenhängen, die sich gefunden hat, um gemeinsam und wirksam gegen Abschiebungen vorzugehen und in den hegemonialen, rassistischen Alltagsdiskurs praktisch einzugreifen. Wir unterstützen von Abschiebungen bedrohte Personen, versuchen sie über ihre Möglichkeiten zu informieren und Abschiebungen gemeinsam zu verhindern. Dabei geht es uns darum, auf die Menschen direkt zuzugehen, Hierarchien und Privilegien zu hinterfragen und einen emanzipatorischen Umgang mit Migrant*innen durchzusetzen.

Unabhängig davon, woher sie kommen, warum und wohin sie abgeschoben werden sollen, zeigen wir uns solidarisch mit allen Betroffenen.

Wir arbeiten unabhängig von staatlichen Organisationen und NGOs und verfügen über keinerlei finanzielle Förderung. Was wir geben können, ist Unterstützung und unser Wissen aus praktischer Erfahrung.

Wir sehen solidarische Unterstützung und die Sichtbarmachung rassistischer Abschiebe- und Lagerregime, welche in der kapitalistischen Logik verhaftet sind, als Teil einer emanzipatorischen Praxis. Diese muss nationalistische und “fremden”feindliche Positionen und Politiken angreifen. Deshalb arbeiten wir auch in queerfeministischen und antifaschistischen Kontexten, um gemeinsam bestmöglich gegen Systeme der Unterdrückung anzukämpfen.

In respektvollem Umgang miteinander teilen wir dabei unser Wissen, unsere Ressourcen und unsere Ideen, um nicht tatenlos zusehen zu müssen, wenn wieder eine Person abgeschoben wird.

 

NO BORDER, NO NATION, STOP DEPORTATION!

%d Bloggern gefällt das: