Geschlagen, erpresst und misshandelt – von der EU im Stich gelassen

Um dem lebensgefährlichen Weg von Libyen über das Mittelmeer nach Italien zu entgehen, nutzen Flüchtlinge derzeit häufig die Westbalkan-Route von Griechenland über Mazedonien und Serbien nach Ungarn. Tausende Flüchtlinge, Asylsuchende und Migrant_innen sitzen in Mazedonien und Serbien fest. Um sie möglichst schnell wieder loszuwerden, werden sie misshandelt und erpresst.

Das dokumentiert der Amnesty-Bericht Europe’s Borderlands: Violations against migrants and refugees in Macedonia, Serbia and Hungary.

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Die Flüchtlinge werden an den Grenzen zwischen Griechenland, Mazedonien und Serbien in das vorherige Land zurückgeschickt (push-backs) oder willkürlich inhaftiert – oft geht das mit schweren Misshandlungen einher. Ein Zeuge berichtete Amnesty International, dass die serbische Grenzpolizei an der ungarischen Grenze gedroht habe, seine ganze Gruppe nach Serbien zurückzuschicken, sollten sie nicht jeweils 100 € pro Person zahlen. Ein afghanischer Flüchtling berichtete, dass er von der mazedonischen Polizei nach Griechenland zurückgeschickt worden sei:

Ich habe zugeschaut, wie Männer geschlagen wurden. Sie haben auch meinen 13-jährigen Sohn geschlagen. Und sie haben mich geschlagen.

Ein anderer hat gesehen, dass sogar eine schwangere Frau geschlagen wurde.

Migrant_innen, Flüchtlinge und Asylwerber_innen werden in Aufnahmelagern untergebracht. Hunderte, darunter Familien, schwangere Frauen und unbegleitete Kinder, werden z.B. für unbestimmte Zeit in Mazedoniens Aufnahmezentrum Gazi Baba festgehalten – allerdings ohne Rechtssicherheit und ohne Möglichkeit um Asyl anzusuchen. Viele werden hier unrechtmäßig über Monate hinweg unter unmenschlichen und entwürdigenden Bedingungen eingesperrt.

„Serbien und Mazedonien sind zu einem Auffangbecken für die überzähligen Flüchtlinge geworden, die niemand in der EU haben will. Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, sitzen in Mazedonien und Serbien in der Falle. Sie werden erpresst und misshandelt, haben keine Chance auf Asyl und werden daran gehindert, in die EU weiterzureisen“, sagt Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich. „Die EU muss endlich sichere Wege für Flüchtlinge schaffen und ihnen einen Zugang zum EU-Asylsystem ermöglichen.“

Der Bericht basiert auf vier Recherchereisen nach Serbien, Ungarn, Griechenland und Mazedonien und hat Interviews mit mehr als 100 Flüchtlingen und Migrant_innen zur Grundlage.

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