Türkei muss Flüchtlinge aus EU zurücknehmen

dpa

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Die Türkei muss seit Mittwoch „illegal“ über das Land in die Europäische Union eingereiste Flüchtlinge zurücknehmen. Das entsprechende „Rückübernahme-Abkommen“ sei in Kraft getreten, teilte die EU-Kommission mit. Die Vereinbarung war im Dezember zwischen der EU und der Regierung in Ankara abgeschlossen worden. Zugleich begannen Gespräche über eine visafreie Einreise von Türken in den Schengen-Raum.

Der EU-Beitrittskandidat Türkei hat nach Angaben der Regierung 1,5 Millionen Flüchtlinge alleine aus Syrien aufgenommen. Viele Flüchtlinge aus dem Nahen Osten oder Afrika versuchen, über die Türkei nach Europa zu gelangen. Bei dem Versuch, Europa per Boot zu erreichen, kamen nach Schätzungen der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in diesem Jahr mindestens 2.500 Menschen ums Leben.

Ein Datum für den Abschluss der Gespräche über die Visafreiheit ist nicht festgelegt. Verhandlungen über einen EU-Beitritt der Türkei begannen 2005, verlaufen allerdings zäh.

(APA)

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Amnesty International:

Türkei: Minderjähriger Asylwerber zu Tode gefoltert

Lutfillah Tadjik, ein 17-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan, starb am 31. Mai in der Türkei.

Vor seinem Tod soll er von einem Beamten des Abschiebezentrums von Van im Osten der Türkei geschlagen worden sein. Weitere Asylsuchende, die den Vorfall beobachtet haben, sind nun in Gefahr, nach Afghanistan abgeschoben zu werden.

Link

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„Lives adrift: Refugee and migrants in peril in the central Mediterranean”

Der Amnesty-Bericht dokumentiert die Ergebnisse von drei Recherchereisen im Sommer 2014 nach Italien und Malta. Dabei wurde auch ein Boot der italienischen Marine begleitet. Interviews mit Überlebenden, Experten und Behörden zeigen die Gefahren, die jene erwarten, die vor Krieg, Verfolgung und Armut über das Mittelmeer fliehen.

Mohammed, eine 20-jähriger aus Damaskus in Syrien, erzählte Amnesty International:

„Als wir Libyen verließen waren wir 400 Erwachsene und ungefähr 100 Kinder. Wir mussten zunächst auf ein Ruderboot um das größere Boot zu erreichen. Zuerst konnte ich das größere Boot nicht sehen und als ich es sah, war es furchtbar. Ich wollte nicht an Bord gehen, doch die Schlepper bedrohten mich mit einer Schusswaffe. Es hat zwei Stunden gedauert, alle an Bord des Boots zu bekommen. Um ungefähr 2 Uhr hörte ich Schüsse. Ein Boot mit bewaffneten Männern versuchte unser Boot zu stoppen. Vier Stunden versuchten sie uns aufzuhalten und schossen von allen Seiten. Als der Morgen graute, verschwanden sie. Unser beschädigtes Boot schaukelte. Wir warfen unser gesamtes Gepäck und unsere Rettungswesten ins Meer. Wir wollten doch leben!“

Bericht „Lives adrift“

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