Sicherheitsfirma G4S soll in Gefängnis gefoltert haben

Artikel auf derStandard.at (28. Oktober 2013):

Das Personal eines der gefährlichsten Hochsicherheitsgefängnisse in Südafrika soll Häftlinge in „schockierender“ Weise misshandelt und die Kontrolle über die Situation verloren haben, berichtet BBC online. Das Gefängnis wird von der britischen Sicherheitsfirma G4S geführt. Die südafrikanische Regierung hat inzwischen die Führung des Gefängnisses komplett übernommen und eine Untersuchung eingeleitet.

Häftlinge berichteten von Elektroschocks, die als Folter eingesetzt worden seien – auch seien Injektionen zwangsweise verabreicht worden. G4S dementiert die Vorfälle und erklärt, es gebe keine Hinweise auf Misshandlungen durch ihre Mitarbeiter.

Der BBC liegt Filmmaterial vor, auf dem das Klicken eines Elektroschocks und ein Kreischen zu vernehmen ist. Weiters ist ein Gefangener zu sehen, der versucht sich der Verabreichung von Medikamenten zu widersetzen.

G4S

Wissenschafter eines Forschungsprojekts an der Wits Universität in Johannesburg berichten, dass sie im Zuge einer einjährigen Untersuchung Aussagen über Elektroschocks und Schlägen von nahezu 30 Gefangenen aufgenommen hätten. „Manche berichteten, sie fielen in Ohnmacht, wenn die Elektroschocks zu intensiv wurden“, berichtete Ruth Hopkins vom Wits Forschungsprojekt. Mithäftlinge erzählten von Knochenbrüchen und anderen schweren Verletzungen.

Ein Exhäftling berichtete, dass die Elektroschocks als Folter eingesetzt worden seien. Ein gekündigter Mitarbeiter des Aufsichtspersonals sagte aus, dass auch Wasser über die Häftlinge geschüttet worden sei, um die Wirkung der Elektroschocks zu erhöhen.

G4S wiederum spricht von einem Anstieg der Gewalt im Gefängnis im Zuge eines Arbeitsstreites, berichtet BBC. Mehr als 300 Mitarbeiter seien nach einem inoffiziellen Streik entlassen worden.

Die südafrikanischen Gefängnisbehörden erklärten bereits vergangenen Monat, dass sie das Gefängnis nahe Bloemfontein übernommen hätten, da die private Sicherheitsfirma die Kontrolle über die Einrichtung verloren habe.

Andy Baker, regionaler Präsiden von G4S Afrika, erklärte hingegen, die Verabreichung von Medikamenten sei Aufgabe eines eigenen medizinischen Personals gewesen. Nach seinem Informationsstand habe es niemals Misshandlungen dieser Art gegeben. Aber falls sie konkrete Informationen bekämen, würden die vollständig untersucht werden. (frei, derStandard.at 28.10.2013)

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