Ceuta und Melilla – Erinnerungen an den „großen Ansturm“

DIE ÜBERLEBENDEN DER EREIGNISSE VON 2005 ERINNERN SICH!

Acht Jahre nach den dramatischen Ereignissen von Ceuta und Melilla, die für vierzehn Menschen den Tod und für Dutzende Verwundung und körperliche Behinderung zur Folge hatten, sowie für hunderte Migrant_innen die Abschiebung in die Wüste durch die marokkanischen Behörden.

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Ich bin MAGASSOUBA OUMAR, ich komme aus Conakry, Guinea, bin 27 Jahre alt und im Moment als »Illegalisierter« in Spanien, wo ich im Baugewerbe arbeite.

Ich habe mein Land am 22. Oktober 2003 verlassen. Ich habe elf Monate lang im Wald von Bel Younes, nahe Ceuta, gelebt. Ich bin am 29. September 2005 nach Ceuta gekommen, am Tag des »großen Ansturms«. Ich habe keine guten Erinnerungen daran, denn an diesem Tag gab es Tote und schwer Verletzte und andere, die wie Abfall in die Wüste geworfen wurden. Ich habe vier Monate in Ceuta verbracht, in einem Abschiebezentrum.

Jeder weiß, wie Europa ist : die schönen Häuser, die Autos… aber in Wirklichkeit heißt das nicht, dass es allen gut geht – und dass manche auf der Straße leben müssen. Die einzige Wahrheit ist, dass man in Europa sein muss, um es zu kennen.

Ich habe getan, was ich konnte, um zu überleben. Das Leben in Europa ist nicht so rosig wie man denkt. Aber Gott ist für alle da, jeder bekommt seine Chance.

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Ich bin CAMARA LAYE, geboren am 8. August 1984 in Conakry, Guinea.

ceuta 1Ausbildung: Entwicklungs- zusammenarbeit, Bakkalaureat, Diplom in Sozialarbeit

Ehemaliger Präsident und aktuell Koordinator des CMSM (Rat der subsaharischen Migrant_innen in Marokko, Conseil des Migrants Subsahariens au Maroc), einem Verein, der für die Verteidigung und Einforderung von Rechten für Migrant_innen kämpft und für die rechtliche Anerkennung von Flüchtlingen nach den Ereignissen von Ceuta und Melilla im Jahr 2005.

Bevor ich im März 2004 nach Marokko gekommen bin, hatte ich keine Ahnung davon, dass es in Marokko einen Wald gäbe, durch den man Europa betreten könnte. Ich war bei einem Landsmann, Lamine, untergebracht, damals ein Fußballer in Marokko. Einen Monat nach meiner Ankunft hat er mit seinem Klub gebrochen, und er konnte seine Miete nicht mehr bezahlen. Noch dazu war seine Aufenthaltskarte ausgelaufen. So haben wir uns, aufgrund der Jagd auf Schwarze in Marokko, entschieden, in den Wald bei Ceuta zu gehen, wo man weder Miete noch Strom zu bezahlen hat. Wir waren guter Hoffnung, dass wir eines Tages Europa betreten würden. Dieselben Gründe, die mich angetrieben haben, in den Wald zu gehen, treiben hunderte von Migrant_innen an, die großen Städte des Königsreichs zu verlassen und auch in den Wald zu kommen.

Ich habe achtzehn Monate im Wald von Bel Younes verbracht.

Der Tag an dem ich aufbrach, um nach Europa zu kommen, war der Tag, an dem wir den »großen Ansturm« machten. Es war der September 2005, als wir den Ansturm auf die Zäune von Ceuta versuchten. Danach wurde ich in die Wüste abgeschoben. Daran habe ich keine schöne Erinnerung: Die marokkanische Polizei hat uns in der Wüste abgeworfen, es war etwa 20 Uhr; gemeinsam mit Freunden machte ich mich auf den einmonatigen Weg, um nach Fès zurückzukommen und dann Rabat zu erreichen. In dieser Stadt habe ich mein Leben von Neuem begonnen. Ich habe gearbeitet (…) und begonnen, für die Rechte der Migrant_innen zu kämpfen. Dieser Aktivismus hat staatliche Repression gegenüber migrantischen Aktivist_innen ausgelöst. Ich bin heute selbstsicher, auch wenn der Kampf noch nicht gewonnen ist – seit den Ereignissen von 2005 wurde die Gerechtigkeit nicht wiederhergestellt. Aber Marokko beginnt sich stark zu machen für eine Politik zum Schutz der Rechte der Migrant_innen, der rechtlichen Anerkennung der Flüchtlinge und Asylsuchenden, und der Einzelfall-Legalisierung. Daher rührt meine Hoffnung!

Ehrlich gesagt habe ich mein Ziel noch nicht erreicht – mein Rechtsstudium zu machen. Wenn es noch eines zu tun gibt, dann das: mein Studium fortsetzen und ein Buch über meine Reise schreiben.

Wenn ihr mich fragt, beruht der massive Aufbruch von Subsaharier_innen auf illegalisierten Wegen auf der Tatsache, dass es einer bestimmten Personengruppe vorbehalten ist, Visa zu bekommen. Europa kriegt nicht genug davon, uns zu sagen, dass es dort nichts gibt, dass dort nicht mehr das Paradies wartet. Aber wenn das so ist, müssen Visa ausgestellt werden! Wenn du deinem Nachbarn erzählst, bei dir gebe es nichts zu essen, und zugleich baust du eine Schranke auf, machst du ihn glauben, dass da doch etwas ist!

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ceuta2Ich bin ABOUBACAR KAKE, aus der Elfenbeinküste, dreißig Jahre alt, und ich habe eine Ausbildung in Marketing und Kommunikation gemacht. Ich bin nach Marokko geflüchtet, bin Bauarbeiter und unverheiratet. Ich arbeite seit 2007 im Rat der Migrant_innen (Conseil des Migrants). Ich habe mein Land 2002 wegen des Bürgerkriegs verlassen. Die Reise über Ceuta und Melilla ist alles andere als einfach, weil man das Meer oder den Zaun überwinden muss: beides nicht leicht. Seit 2002 bin ich in Marokko. Ich habe mehrere Versuche gemacht, nach Ceuta zu gelangen.

Ich habe zwölf Monate im Wald zwischen Ceuta und Melilla gelebt. Wir wurden von der marokkanischen Polizei wie Tiere behandelt. Ständig hat die Polizei Razzien im Wald gemacht. Sie kamen, um unsere Zelte, unsere Decken, unser Essen zu verbrennen. Frauen wurden vergewaltigt…

Wenn man dich schnappt, wirst du nach Oujda, an die Grenze zwischen Algerien und Marokko, zurückgeschoben.

Ceuta und Melilla sind wahrhaft schöne Städte, aber um sie zu erreichen, riskierst du dein Leben.

Ich habe dann politisches Asyl beantragt und erhalten; aber der Status, den ich habe, bringt mir keine Aufenthaltskarte und keine Arbeitserlaubnis. Also lebe ich im ständigen Auf und Ab.

Ich bin voller Ungeduld zu sehen, wie sich das Versprechen Marokkos, dass es eine rechtliche Anerkennung von Flüchtlingen und Asylwerber_innen gibt, in Tat umsetzt.

Angesichts meiner momentanen Situation, in der meine Ziele nicht erreicht sind, bin ich weit davon entfernt, ein glücklicher Mensch zu sein.

S.O.S.

Ich bin OUSMANE BALDE, ich komme aus Conakry, Guinea, bin 28 Jahre alt, habe mein Bakk gemacht, bin unverheiratet und lebe wieder in Guinea.

ceuta3Ich habe Guinea 2004 verlassen. Die Zeiten in Bel Younes waren nicht gut: wir wurden den ganzen Tag von Soldaten gejagt und von Obdachlosen belästigt.

Der Tag des »großen Ansturms« war ein Tag, an dem ich nach Spanien hätte kommen können. Ich habe sehr schlechte Erinnerungen daran, denn an diesem Tag habe ich eines meiner Augen verloren – durch ein Gummigeschoss, abgefeuert von der Guardia Civil. Trotz der Kugel, die ich in mein Auge bekommen habe, und des Insistierens meines Bruders und Freundes Camara Laye, hat mich die marokkanische Polizei, das Recht missachtend, in die Wüste gebracht.

Ich habe meinen Freunden und Bekannten gesagt, dass Ceuta schön ist, aber es lohnt sich nicht, sich dafür umzubringen. Ihr seht ja, was alle riskieren.

Ob das die Linken sind oder die Rechten, das ist mir egal: Es ist dieselbe Politik, die uns daran hindert, hineinzukommen. Ich habe dann versucht, mich in Marokko behandeln zu lassen, mit Hilfe von karitativen Organisationen, aber das hat nicht funktioniert. Also habe ich beschlossen, zurück nach Hause zu gehen, nach Guinea, mit Vermittlung der IOM. Zurzeit lebe ich in Guinea, ich mache nichts, ich habe ständig Augenschmerzen. Und ich bin von meinen Eltern abhängig.

Ich bin nicht glücklich, weil ich krank bin und nicht verheiratet. Meine Ziele habe ich nicht erreicht, ich möchte mich behandeln lassen.

Helfen Sie mir! Kontakt: 0022468052570.

UNE IDEE DE CAMARA LAYE

E-mail : verite.laye@yahoo.fr

Tél : OO212615664018

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