Offener Brief aus der Votivkirche

Khan Adalat: Offener Brief aus der Votivkirche an Innenministerin Mikl-Leitner, 11.2.2013:

Sehr geehrte Frau Ministerin Mikl-Leitner,

ich möchte Sie, mit allem Respekt, auf die Situation der Flüchtlinge in der Votivkirche aufmerksam machen: Seit unserem Protestmarsch von Traiskirchen nach Wien haben wir 25 Tage unter freiem Himmel gelebt. Nachdem das Camp geräumt wurde, haben wir in der Votivkirche Obdach gesucht. Dort sind wir seit 42 Tagen (mit Unterbrechung) im Hungerstreik. Dennoch gibt es bis heute keine Gespräche mit den Verantwortlichen um eine politische Lösung zu finden.

Frau Ministerin, wir sind Menschen mit demokratischen Überzeugungen und Werten, wir glauben an Dialoge und Gespräche. Niemand, weder aus Deutschland, Italien oder der Schweiz, instrumentalisiert uns! Die UnterstützerInnen helfen uns in allen Aspekten, um unseren Anliegen Gehör zu verschaffen.

Vielleicht ist es notwenig auf die gefährliche Situation in unseren Herkunftslänern hinzuweisen: Die meisten Menschen hier in der Kirche kommen aus der nordwestlichen Grenzprovinz in Pakistan, wo islamistische Gruppen mit den Geheimdiensten Hand in Hand arbeiten. Selbstmordattentate und Drohnenanschläge gehören dort zum Alltag.

Ich bin seit acht Jahren ein Flüchtling in der Europäischen Union und seit 10 Monaten in Österreich. Ich komme aus einer guten Familie in Pakistan und wollte mich ursprünglich nicht über meine Situation in unserer Region äußern, nun aufgrund der momentanen Lage, bleibt mir nicht anderes übrig: Mein Cousin Sultan Room Khan, wurde von einer islamistischen Gruppen entführt und erst nach zwei Monaten gegen ein Lösegeld freigelassen. Mein Schwager Mohammad Gafar ist seit 2009 verschwunden, nachdem er wiederholt die Aufklärung der Ermordung seiner Schwester und seines Neffen durch den Geheimdienst, gefordert hatte. Mein Cousin Javed Khan wurde vergangenes Jahr Karatschi von Islamisten ermordet. Meine Situation in Pakistan hat sich insofern durch das öffentliche Intersse weiter verschlechtert, durch die intensive Berichterstattung, ist mein Gesicht und unsere Nachricht durch die Welt gegangen, meine Famlie ist dadurch zusätzlich Repressalien ausgeliefert. Auch meine Sicherheit, sollte ich nach Pakistan deportiert werden würde, wäre weiter gefährdet. Das ist nur ein Beispiel, ich könnte Ihnen zahlreiche fürchterliche Geschichten, die die hungerstreikenden Menschen hier in der Votivikirche erlebt haben, schildern.

Ich bitte Sie daher inständig, sich mit unseren Anliegen ernsthaft zu befassen und zu klären, wer die Verantwortung trägt, sollte etwas Schreckliches passieren. Wir wollen keine Probleme verursachen, weder für die Politik noch die Zivilgesellschaft. Ich möchte lediglich wissen was die Krititerien für pakistanische Flüchtline sind um in Österreich Asyl zu erhalten, die Anerkennungsrate von Flüchtlingen aus Pakistan ist verschwindend gering und spiegelt die Situation in Pakistan nicht wieder.

Wir wollen niemanden erpressen, sondern lediglich die Realisierung unserer Menschenrechte!

Mit besten Grüßen,
Die Flüchtlinge in der Votivkirche

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