58 Tote bei Gibraltar – Frontex griff nicht ein

Übersetzung aus dem Spanischen von der Website der spanischen flüchtlingssolidarischen Organisation „Andalucía acoge“ auf ffm-online.org, 28. Oktober 2012:

Neue Tragödie

Mehrere Dutzend MigrantInnen sind gestern ertrunken, als sie versuchten, die spanische Küste zu erreichen. Obwohl sie von einem Frontex-Flugzeug, das an der Operation Indalo teilnahm, aufgespürt und fotografiert wurden, bevor das Boot unterging, hat diese Agentur sich nicht für eine Rettungsaktion eingesetzt. Die Rettung der Schiffbrüchigen leistete das „Salvamento Marítimo“ der Guardia Civil, nachdem bereits Dutzende der Bootspassagiere ertrunken waren. „Salvamiento Marítimo“ hat 18 Personen gerettet und die Leichen von 14 Ertrunkenen geborgen; weitere 40 Personen werden vermisst.

Wir kritisieren die Passivität von Frontex, da sie nichts für die Rettung dieser Personen unternommen hat. Wir kritisieren die Absicht der Guardia Civil, die Überlebenden an Marokko zu übergeben, wohin sie alsbald gebracht wurden, aber Marokko akzeptierte die Aufnahme der Schiffbrüchen nicht. Wir machen für den Tod dieser Menschen, die zu Tausenden weiteren an der afrikanischen Küste und im Mittelmeer hinzuzuzählen sind, die Grenzkontrollpolitik auf dem Meer, die die EU und der spanische Staat betreiben, verantwortlich.

Wir fordern, dass die spanische Regierung nicht die Überlebenden dieser Tragödie dadurch bestraft, dass sie sie in ihre Herkunftsländer abschiebt. Wir fordern ihren legalen Aufenthalt in unserem Land aus humanitären Gründen. Die Organisationen, die diesen Aufruf unterschrieben haben, werden dafür mobilisieren, dass im Fall der Überstellung der Überlebenden in ein Abschiebegefängnis (Centro de Internamiento) alle ihre Rechte respektiert werden.

Wir fordern ein Ende dieser Politik der Grenzschließung, die das Mittelmeer in ein Massengrab verwandelt hat.

Andalucía Acoge, Asociación Pro Derechos Humanos de Andalucía, ELIN y Federación estatal de SOS Racismo, organizaciones miembros en el Estado español de la red euro-africana Migreurop.

Weitere Einzelheiten:

Es sind 17 Überlebende (14 Männer und drei Frauen). 14 wurden tot geborgen. 40 Verschwundene, da an Bord ca. 70 Flüchtlinge und MigrantInnen waren. Die Rettungsoperationen, die 18 Meilen östlich von Al Huceima (Marokko) begonenn haben, wurden von „Salvamiento Maritimo“ (spanische Küstenwache, zunächst Einsatz deren Flugzeugs „Sasemar 101“, dann deren Schiff „Hamal“) nach den Anruf eines Flüchtlingsangehörigen eingeleitet. Das Boot war am Mittwoch Morgen bei Nador (Melilla) losgefahren. Die Rettungsaktion musste wegen Einbruch der Dunkelheit für eine Nacht unterbrochen werden. Es nahmen auch ein Schiff der Guardia Civil und zwei marokkanischen Patrouillenschiffe teil. Die Überlebenden wurden in den Hafen von Al Huceima gebracht.

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