Kinder gehören nicht in ein Großlager

Initiative „Gegen Unrecht – Kinder gehören nicht ins Gefängnis!“ fordert verantwortlichen Umgang mit Kinderflüchtlingen

„Kinder gehören nicht ins Gefängnis. Kinder gehören aber genauso wenig in ein Großlager“, zeigt sich die Initiative „Gegen Unrecht-Kinder gehören nicht ins Gefängnis!“ von Amnesty International Österreich, Caritas, Diakonie und SOS-Kinderdorf schockiert über die aktuellen Bilder und Berichte aus der Flüchtlings-Erstaufnahmestelle in Traiskirchen. Derzeit befinden sich dort rund 600 Kinder und Jugendliche. Darunter sind einige unter 14 Jahren, die alleine nach Österreich gekommen sind. Sie sind ohne ihre Eltern geflüchtet, die ihnen Schutz und Orientierung geben könnten. Und sie haben in Traiskirchen keinen geregelten Tagesablauf, keine adäquate Betreuung, keine Möglichkeit Deutsch zu lernen oder zur Schule zu gehen.

Bildung ist ein Menschenrecht

Die Initiative „Gegen Unrecht“ fordert einen verantwortlichen Umgang mit Kinderflüchtlingen. „Hier werden Menschenrechte mit Füßen getreten“, kritisiert Heinz Patzelt, Generalsekretär Amnesty International Österreich. „Österreich muss sich seiner Verantwortung für die minderjährigen Flüchtlinge in Traiskirchen stellen“, so Patzelt.

„Während meiner langen Tätigkeit für SOS-Kinderdorf, habe ich viele Schicksale von Kindern miterlebt. In all den Jahren ist mir noch nie ein halbes Kind untergekommen. Es darf nicht vom Pass abhängen, wie viel Unterstützung Kinder erhalten. Braucht ein zehnjähriges Kind aus Afghanistan nur halb so viel zu essen? Nur halb so viel Kleidung? Nur halb so viel Begleitung und Betreuung? Nur halb so viel Schulbildung wie ein Zehnjähriger aus Österreich? Denn unbegleiteten Kindern werden fast ausnahmslos in ganz Österreich nur die halben finanziellen Mittel und Ressourcen zuerkannt wie einem österreichischen Kind, das zum Beispiel in einer Kinderwohngruppe im SOS-Kinderdorf lebt. Es gibt kein halbes Kindeswohl! Deshalb forderte ich: Schluss mit den halben Sachen – es ist Zeit für ganze Lösungen!“, so Christian Moser, Geschäftsführer SOS-Kinderdorf Österreich.

Aktuelle Situation außerhalb des Gesetzes
Die aktuelle Situation stehe außerdem im Widerspruch zum Gesetz, betont Heinz Fronek, Experte für Kinderflüchtlinge der asylkoordination österreich. „Unbegleitete Jugendliche unter 14 Jahren dürfen aufgrund eines Beschlusses des Koordinationsrates gar nicht in die Erstaufnahmestelle aufgenommen werden“, führt er aus. Weiters entspreche auch die Behauptung der Verantwortlichen, dass die Unterbringung nur für wenige Tage erfolge, nicht der Realität. „Unsere Erhebungen haben ergeben, dass die Aufenthaltsdauer in der Erstaufnahmestelle bei unbegleiteten Kindern extrem lange ist – im Durchschnitt 150 Tage! Fünf Monate ohne ausreichende sozialpädagogische Unterstützung, ohne Schulunterricht und zusammengepfercht in überfüllten Zimmern“, zitiert Fronek aus den Erhebungen der Asylkoordination.

Im Herbst 2010 haben sich Caritas, Diakonie, SOS-Kinderdorf und Amnesty International spontan zur Initiative „Gegen-Unrecht: Kinder gehören nicht ins Gefängnis!“ zusammengeschlossen. Die Initiative hat Unrecht benannt, als zwei kleine Zwillingsmädchen von ihrer kranken Mutter getrennt und brutal abgeschoben wurden. Gemeinsam mit über 116.000 Menschen und mehr als 75 Organisationen von PfadfinderInnen, KinderfreundInnen, der Jungen Industrie bis zu Gewerkschaftsjugend wurde sowohl die Einführung der Kinderrechte in die Verfassung erreicht, als auch ein humaner und rechtsstaatlichen Umgang mit Flüchtlingen und speziell Flüchtlingskindern gefordert. Einiges konnte die Zivilgesellschaft gemeinsam zum Positiven verändern. Aus diesem Grund meldet sich die Initiative auch jetzt zu Wort, weil Tag für Tag Unrecht passiert. Weil PolitikerInnen nicht halten, was sie vielfach in ihren Sonntagsreden versprechen: Nämlich, dass Kinder der höchste Schatz in unserer Gesellschaft sind und dass alle Kinder gleiche Rechte verdienen.

(Auszug aus der Presseerklärung der Initiative Gegen-Unrecht“ zum Asylgipfel)

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